Das war unsere utopische Woche

Wie bereits berichtet, fand am 24. und 25. August die Utopie-Konferenz der Leuphana Universität statt. Gastgeber waren Maja Göpel und Richard David Precht. Das Coworkerhaus war als UtopieCamp dabei und öffnete seine Türen für Interessierte. Da wir (André Willms, Andrea und Andreas Matuszefska, Elisa Bodenstab und Vicki Janssen) eh schon über das Thema „Zukunft der Arbeit in Ostfriesland“ gesprochen hatten, war sofort klar, dass wir dabei sein müssen und wollen.

Interessanter Weise hatten wir unabhängig voneinander eine sehr ähnliche Vorstellung zum Thema #UtoischArbeiten. Mehr Miteinander, kurze Wege, mehr Umweltschutz und Nachhaltigkeit, mehr Respekt und Toleranz, Eigenverantwortung und Selbstentfaltung …. Unsere Wunschliste war lang. Und wir wollten von Anfang an etwas bewirken. Nicht nur 2 Tage eine rosa Welt malten. Nein! Wir wollten aus einer Idee ein Projekt starten. Doch gehen wir der Reihe nach.

Hier kannst du dich informieren, was genau die Utopie Konferenz ist, wie diese abgelaufen ist, wer dabei war und wie es weiter gehen wird.

Übersicht: https://www.leuphana.de/portale/utopie-konferenz.html

Das Ziel der Konferenz war es, eine Karte mit all unseren Ergebnissen zu kreieren. Maja Göpel und Richard David Precht werden mit den Ergebnissen durch die Republik touren und Gespräche führen, denn schließlich brauchen wir passende Grundlagen für eine Umsetzung. Stand heute wird noch viel zu viel reglementiert und die Bearbeitungszeiten sind zu lang. Hier müssen wir insgesamt agiler werden.

Doch was sind denn nun die Ergebnisse? Hier ist eine wunderbare Übersicht – in Form einer MindMap – entstanden. https://utopie-konferenz.kumu.io/ergebnisse-2021 Du kannst dich durch alle Camps durchklicken. Sie sind vorsortiert nach den Themen, die bearbeitet wurden. Die Ergebnisse wurden als Text, Video oder Bild präsentiert. Ich konnte mir noch nicht alle Ergebnisse anschauen, was mich jedoch bereits während der Konferenz beeindruckt hat, war der Wunsch nach mehr Gemeinsamkeit. Die Spaltung unserer Gesellschaft ist tragisch, das sollten wir stoppen. Finden wir Lösungen und Wege dafür! Klick dich gern durch die Ergebnisse, vielleicht findest du so ein paar inspirierende Gedanken, um in die Umsetzung zu kommen.

Was uns persönlich sehr geholfen hat, waren die vielen wertvollen Vorträge und Gespräche. Die Gästeliste war lang. Hier ein paar Namen: Ferda Ataman, Claudia Emmert, Eckhart von Hirschhausen, Joe Kaeser, Carola Rackete und Helmut Rosa. Die Gespräche mit diesen Personen, haben mich besonders beeindruckt und inspiriert. Du kannst alle Vorträge und Gespräche in der Mediathek anschauen.

Link zur Mediathek: https://www.leuphana.de/portale/utopie-konferenz/utopie-studio.html

Eine besondere Ehre war das Utopie-Spiel von CoWorkLand e.G. Als Gründerin vom Coworkerhaus und einer überzeugten Coworkerin, war es mir natürlich ein besonderes Anliegen, das Thema „neue Ländlichkeiten“ mitzubetrachten. Das war ein eigener Punkt in der Veranstaltungsreihe und die Ergebnisse dazu kannst du auf der Sonderseite nachlesen. Coworking Spaces sind nämlich gerade im ländlichen Raum mehr als nur „nice to have“.

Neue Ländlichkeiten: https://www.leuphana.de/portale/utopie-konferenz/neue-laendlichkeit.html

Doch wie geht es weiter? Wie bereits erwähnt, werden die Gastgeber ein Jahr durch das Land reisen und unsere Ergebnisse präsentieren und besprechen. Im September 2022 wird es dann die Abschlussveranstaltung in Lüneburg geben. Ich bin gespannt, was bis dahin erreicht wurde.

Wir wollen jedoch auch in Ostfriesland am Ball bleiben. Neben dem Coworkerhaus war auch der Gröönlandhof aus Großefehn dabei. Wir haben uns bereits kennengelernt und vernetzt. Denn unsere Ideen liegen eng beieinander. Aber was genau haben wir denn nun für eine Utopie entwickelt? Hier möchte ich dir unser Ergebnis präsentieren. Eine utopische Geschichte:

 

Das letzte „Mehr-Wege-Haus“ im Großkreis Ostfriesland wurde eröffnet

(eine Utopische Geschichte)

Es begann mit einer Idee im Sommer 2021 auf der Utopie-Konferenz der Leuphana Universität Lüneburg. Elisa, André, Andrea, Andreas und Vicki trafen sich im UtopieCamp und entwickelten eine Idee zum Thema „Zukunft der Arbeit in Ostfriesland“. Themen gab es viele. Die Abwanderung von perfekt ausgebildeten Fachkräften, Saisonarbeit, verschlafene Digitalisierung, das Sterben der Innenstädte, große Arbeitgeber der Region reduzierten Arbeitsplätze in der Produktion usw. Was dem Team jedoch gemeinsam aufgefallen war, war die voranschreitende Spaltung der Menschen. Jede Organisation für sich arbeitete zwar gut zusammen, jedoch arbeiteten die verschiedenen Unternehmen kaum miteinander. Jeder, vom Unternehmer bis zum Gemeinderat, kochte sein eigenes Süppchen. Die Arbeitgeber kämpften mit dem Fachkräftemangel, fehlender Infrastruktur wie z.B. einem Breitbandanschluss und sich veränderten Märkten und den Anforderungen der Angestellten. Also wollte das Team die Vernetzung und Kooperationsbereitschaft fördern, unnötige Pendlerstrecken vermeiden, Gespräche führen, damit weniger Gesetze und Verordnungen neue Entwicklungen verhinderten und eben wieder mehr Zufriedenheit, Gelassenheit und Miteinander unter den Menschen entstehen konnte. Ein Motto war gefunden: „Wir leben lokal – arbeiten, lernen und denken jedoch global.“ Doch wie sollte das genau aussehen? In jedem Ort oder Stadtteil sollte ein „Mehr-Wege-Haus“ entstehen. In einem solchen Haus gibt es eine Kinderbetreuung, Schule, einen Coworking Space, verschiedene Werkstätten, einen MakerSpace, ein Regionalkaufhaus, Gastronomie, Platz für Kunst/Kultur und Sportstätten. Das Ziel war es, alles wohnortnah erledigen zu können – aber eben nicht jeder für sich allein im Homeoffice oder der eigenen Werkstatt, sondern gemeinsam unter einem „Dach“. Denn nur so können Synergien entstehen und Gebäude nachhaltig betrieben werden. Es gibt kaum noch freie Flächen. Jedoch gibt es viele Räume, die nur temporär genutzt werden. Den Rest des Tages oder der Woche stehen sie leer. Sei es das Vereinsheim, der Gemeindesaal oder die Kirche. Trotzdem muss alles gepflegt werden und verursacht hohe Kosten. Das darf sich ändern. In einem „Mehr-Wege-Haus“ soll jeder nach seinem Biorhythmus, seinen Talenten und Bedürfnissen einen Ort zur freien Entfaltung finden. Gemeinsam arbeiten und lernen – voneinander und miteinander. Jedoch wollte das Team keinen Mikrokosmos entstehen lassen. Alle „Mehr-Wege[1]Häuser“ sollten vernetzt sein und natürlich über das WWW mit der ganzen Welt agieren können. Nur so kann der Mensch lokal arbeiten und lernen – jedoch seine Produkte und Dienstleitungen international anbieten. Zusätzlich entstehen in so einem Haus neue Arbeitsplätze und Möglichkeiten. Generationsübergreifende Betreuung, Lernangebote on- und offline, altes Handwerk und Traditionen können erhalten werden. Denn schließlich geht es nicht immer nur um das Entwickeln von neuen Dingen. Auch Altes hat seine Daseinsberechtigung. Es geht um Empowerment, Zugänglichkeit und Chancengerechtigkeit. Das Ganze ist nun 10 Jahre her. War es 2021 noch eine Utopie, können wir heute verkünden, dass wir die letzte Lücke schließen konnten. Auch in Moordorf konnte das „Mehr-Wege-Haus“ eröffnet werden. Aus allen anderen Häusern wird bereits über erfolgreiche und bemerkenswerte Projekte berichtet. Menschen finden wieder zueinander und das Dorfleben von früher, funktioniert auch heute wieder – eben gemeinsam.

 

Ja, genau so sieht unsere Utopie aus. Wenn du daran mitarbeiten möchtest, bist du herzlich eingeladen. Wir wollen uns einmal im Monat zum Austausch (online) treffen. Dort wollen wir nach Möglichkeiten suchen, wie wir ein „Mehr-Wege-Haus“ eröffnen können. Dazu wollen wir Gespräche mit den kommunalen Vertretern führen, Unterstützer suchen und Wege ebnen. Wenn du dabei sein möchtest oder noch Ideen hast, die wir mit aufnehmen sollten, dann nimm gern Kontakt zu mir auf. Ich lade dich gern zu unserem Treffen ein. (vicki@coworkerhaus.de)