Einladung zum Gedankenexperiment

Gestern habe ich auf LinkedIn diesen Beitrag entdeckt:

https://www.linkedin.com/posts/henrikevonplaten_zdf-bezahlt-frauen-schlechter-als-m%C3%A4nner-activity-6811629339159912448-TdmQ/

Das ZDF bezahlt Frauen schlechter als Männer – wie viele andere Unternehmen in Deutschland übrigens auch. Aber nicht nur das, nein. Auch heute werden die Menschen im Ostdeutschland immer noch schlechter bezahlt als ihre Kollegen in Westdeutschland.

Keine Angst, das wird jetzt kein Blog über gerechte Bezahlung oder sowas. Dafür fehlt mir tatsächlich das Fachwissen. Ich verfolge die Themen eher aus ethischer Sicht und frage mich immer wieder, warum wir solche Unterschiede einfach nicht ausbügeln können?

Die Argumentationsketten der Verantwortlichen sind lang:

+ Der Wirtschaft geht es gerade schlecht.

+ Wir sind in einer Krise.

+ Wenn die Löhne steigen, müssen auch die Preise angepasst werden.

+ Frauen sind nun mal oft in Teilzeit oder fallen für die Familie aus.

usw.

Wir kennen diese Argumente seit Jahren.

Umso mehr hat mich der Kommentar von Martin A. Cieslieski beeindruckt. Er schrieb:

„Wann werden wir mal lesen: Firma XYZ bezahlt Männer schlechter als Frauen? 😜
Seriously: Machen Angleichungen nach oben Sinn – oder sollte die Reise nicht eher in Richtung Angleichung nach unten gehen? Braucht ein Angleich nach oben nicht mehr Wachstum, mehr Einnahmen etc.?!
Müssen wir nicht in Degrowth-Kategorien denken?!
Wenn der Angleich der Frauen-Gehälter nach oben schon so schwierig ist, wie würde eine Gesellschaft aussehen, die es schafft, die höheren Gehälter der Männer zu senken? Die ungleich verteilten Vermögen gerechter zu verteilen? Mehr Vielfalt zu ermöglichen?“

Wow, was für ein spannendes Gedankenexperiment. Hiermit möchte ich die Diskussion dazu eröffnen.

Mal angenommen, ein Unternehmen würde sich tatsächlich zu diesem Schritt durchringen und es bekanntgeben. Würde ein Shitstorm losgehen? Würde sich ein Teil der Belegschaft solidarisch zeigen? Welche Position würden die Gewerkschaften und Arbeitnehmerverbände einnehmen? Darf ich sowas öffentlich sagen oder wird mir dann jeder Funke Verstand abgesprochen?

Mir ist klar, dass auch die besserverdienenden Menschen ihr Einkommen benötigen. Der Lebensstandard will ja erhalten werden. Darum geht es nicht. Es geht rein um Gerechtigkeit und neue Perspektiven.

Wir sollten inzwischen gelernt haben, dass dieses „Höher, Weiter, Schneller“ nicht funktioniert. Die Gesellschaft ist gespalten wie selten zu vor. Wir verbrauchen mehr, als uns die Erde zur Verfügung stellen kann. Das Klima verändert sich dramatisch. Von dem Artensterben mal ganz zu schweigen. Trotzdem halten die Menschen an ihrem Status/Macht fest.

Auf der anderen Seite erlebe ich jedoch auch, wie immer mehr Menschen Verantwortung übernehmen. Bewusst verzichten und trotzdem oder gerade deswegen glücklicher und zufriedener sind.

Ich habe mich vor 5 Jahren entschieden, sehr viel Ballast abzuwerfen. Freiheit ist mir wichtig. Eigentum bedeutet immer auch Verantwortung, Kosten, Zeit. Das will ich nicht und das brauche ich nicht. Mir geht es mit der gewonnen Freiheit viel besser. Jedoch scheint dieses Lebensmodell gegen die Norm zu sein. Das Ziel der meisten – oder besser die Erwartungen des Umfelds – sind doch immer noch das Eigenheim, ein schicker Wagen, regelmäßig Pauschalurlaub usw.

Egal, ich schweife vom Thema ab aber irgendwie gehört es auch dazu. Wenn wir alle mal wieder in etwas mehr Demut leben und mehr auf Gerechtigkeit achten, wäre die Anpassung der Löhne nach unten möglich. Die Anpassung nach oben schaffen wir ja irgendwie nicht.

So und jetzt lasst die Diskussion beginnen. Wie seht ihr das?

Deine Vicki aus dem Coworkerhaus