Mein Leben zwischen Early Adopter und Minimalist

Der ein oder andere kennt mich bzw. mein Buch „Erst die Pflicht und dann die Kür“, schon etwas länger. Ich war bis vor ca. 6 Jahren eine gedankenlose Shoppingqueen. Dann begann ich, aufgrund eines Umzugs, mein Leben zu hinterfragen und radikal zu verändern. Ich wollte nur noch bewusst die Dinge kaufen, die ich wirklich brauche, minimalistischer leben. Bei vielen Produkten gelingt mir das hervorragend. Meine Schränke sind längst nicht mehr so vollgestopft, wie noch vor ein paar Jahren. Das fühlt sich nicht nur gut an, sondern sorgt natürlich auch für einen besseren CO2-Fußabdruck.

Doch dann gibt es Produkte, die mich verfolgen.

Mein Themenschwerpunkt ist die Digitalisierung. Dabei geht es mir nicht nur um die Fülle an Tools und technischen Geräten, sondern eher darum, wie wir Menschen damit arbeiten und wie diese neuen Geräte eine echte Erleichterung bringen (können). Versprochen wird in den meisten Fällen viel. Ob das dann so funktioniert, erfahre ich meist nur dann, wenn ich es selbst ausprobiere. Das steht jedoch oft im Wiederspruch zu meiner minimalistischen Lebensweise.  Gerade in technischen Geräten werden wertvolle Rohstoffe verbaut. Nutze ich es dann nicht, ist es nicht nur ärgerlich, sondern auch ökologisch sinnlos. Klar, ich kann es verkaufen. Jeder Mensch hat eigene Arbeitsweisen. Was bei mir nicht funktioniert kann für den anderen die Lösung sein. Dann wäre der Schaden zumindest etwas reduziert. Somit gewinnt dann oft die Neugier. Wie in dieser Woche.

Das reMarkable 2 wurde im Juni 2020 präsentiert. Mir juckte es sofort in den Fingern. Denn eigentlich, wäre dieses Gerät genau das Richtige für mich. Ich arbeite sehr gern mit Stift und Papier. Hier mal eine Idee notieren, dort mal einen großartigen Spruch aufschreiben, schnell mal eine Info ins Handy sprechen, um sie später zu bearbeiten usw. Das Problem war nur, ich hatte oft vergessen, wo ich mir was notiert hatte, und dann ging die Sucherei los. Zusätzlich hatte ich verschiedene To-Dos auf kleinen Zetteln notiert, die hier rumlagen, wegkamen und nach der Erledigung entsorgt werden mussten. Echt nervig!

Doch was ist das reMarkable 2 überhaupt?

Das reMarkable 2 ist ein E-Ink-basiertes „Papiertablet“ mit langer Akku-Laufzeit, dass die Haptik von Papier für Schreib-, Lese- und Illustrationszwecke (Skizzen) nachahmt. Es ist für Ablenkung freies und fokussiertes Arbeiten entworfen worden.

Juhu, das war doch die Lösung meiner Probleme!

Doch dann kamen die ersten Bewertungen zu dem Gerät. Sie hätten unterschiedlicher nicht sein können. Von „Braucht kein Mensch“ bis „Ich gebe es nie mehr her“, war alles dabei. Gut, wir wissen ja auch, dass jeder Mensch anders arbeitet. Soweit also nicht überraschend. Doch die Gegenargumente überzeugten mich. Ein normales Tablet, was ich natürlich ebenfalls besitze, kann das auch alles. Ich kann meine Notizen oder Sketchnotes auch darauf notieren und kreieren. Sogar in Farbe. Und eigentlich habe ich mein Tablet oft dabei. Also nutze ich doch lieber das. Ich will schließlich minimalistischer leben.

Diesem Vorsatz bin ich jetzt über ein Jahr treu geblieben. Also dem: „Ich kaufe das reMarkable 2 nicht“. Denn die Funktionen meines Tablets habe ich dann doch nicht so genutzt. Ich hatte auch noch meine Notizbücher und schöne Stifte. Nur meine Zettelwirtschaft nervte mich noch immer.

Dann spielte mir Social Media immer wieder großartige Videos zu. „Schau mal, was das reMarkable alles kann, wie happy und fokussiert die Menschen damit arbeiten“.

Zack – ich war in der Werbefalle gefangen!

Ich mach es kurz. Nachdem ich nochmal recherchiert hatte und natürlich immer noch die gleichen Pros und Contras fand, rutschte mein Finger auf den Bestellbutton und am Donnerstag, wurde MEIN reMarkable 2 geliefert.

Da ich beruflich ein neues Projekt starte und mit sehr vielen Menschen offline arbeiten werde, brauchte ich eine gute Alternative für meine Arbeit. Mir ist völlig klar, dass ich mit meinem Notizbuch graue Haare bekommen werde und (was noch viel schlimmer ist), Zeit verlieren werde. Und genau Zeit haben wir in diesem Projekt eh schon zu wenig.

Also habe ich mir mein neues Gadget eingerichtet und kann schon mal ein erstes Feedback liefern.

Es macht für mich genau das, was es soll. Ich habe eine übersichtliche Ordnerstruktur, selbst meine Schrift kann gut transkribiert werden, ich habe viele Möglichkeiten, die Texte zu bearbeiten und zu versenden.

Eine Sache gefällt mir jetzt schon nicht. Es gibt viele gute Vorlagen. Wenn ich diese nutze und dann meine Handschrift transkribieren lasse, verschwindet die Vorlage und es bleibt nur der Text. Das ist doof. Aber vielleicht gibt es hierfür bereits eine Lösung. Ich werde mal recherchieren.

Mein Ziel ist es jetzt, das reMarkable 2 für 100 Tage zu testen. Ich bin sehr gespannt, ob ich meine Arbeitsweise damit optimieren kann und meine Zettelwirtschaft verschwinden wird. Ich werde berichten.

Deine Vicki Janssen